Mit dem Rad von Berlin bis nach Garmisch Partenkirche

Heute gehts noch saure Gurken holen in den Spreewald. Morgen wird dann die Strecke mit dem Canyon | Pure Cycling abgefahren die ich vor meinem Unfall rennen wollte.
Ich packe meinen Koffer und nehme mit: meine Begleiter von JFRcreatives für gute Laune, meine zweite Haut von SKINS, die GoPro als drittes Auge, sowie PowerBar falls mir die Gurken ausgehen sollten.
Wir sehen uns dann auf der Alpspitze (2628m)!

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2. Etappe

Wüstermarke – Chemnitz

Entfernung: 142,7 km

Zeit 4:42 Std

Nach lockeren 70 km und nen Espresso in Risa ging’s weiter Richtung Süden, die ersten Hügel wurden bezwungen und nach dem großen Topf Nudeln gibt’s jetzt das wohlverdiente Bier mit der Crew.

Jute Nacht!

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3.Etappe

Gornau – Mitterteich

Entfernung:162,4

Zeit: 6:42 Std

Erzgebirgskamm. Was für ein Wort. Ein Wort, welches jeden Wanderer in die Knie zwingt.

‘Worauf hab ich mich da nur eingelassen’ hört man Andy sagen. Zwar mit einem Lächeln, aber er bekommt es doch ein wenig mit der Angst zu tun.

132 km sind für den morgigen Tag geplant. Aus Gornau bei Chemnitz soll es über das Erzgebirge, durch Tschechien nach Wiesau gehen. Bleibt nur zu hoffen, dass wir uns damit nicht zu viel vorgenommen haben.

Am nächsten Morgen startet Andy Punkt 10 Uhr. Besonders lang war seine Nacht nicht, was seinen Enthusiasmus nicht zu mindern vermag. Wir als seine Begleiter könnten uns ein Scheibchen von ihm abschneiden, wenn er seine ganzen Kräfte nicht über die nächsten 8 Stunden bräuchte.

Nun geht es immer den Bergen nach. ‘Wo lang?’ – ‘Bergauf!’ Thum, Geyer, Elterlein, Raschau, Breitenbrunn begegnen uns auf unserem Weg, während Andy insgesamt 2500 Höhenmeter überwindet. Dies tut seiner Motivation keinen Abriss. Jede Pause ist kurz. Während Johannes stetig versucht die besten und beeindruckendsten Momente mit seiner Kamera einzufangen, scheint Andy nicht genug zu bekommen. Wir erklimmen jeden Berg im 2. Gang und geben Seufzer von uns, ob Andy nicht vielleicht doch absteigen sollte. Aber für Sorge bleibt wenig Zeit, unser Andy lässt meist nicht lange auf sich warten und trägt noch immer ein Lächeln auf seinen Lippen.

In Johanngeorgenstadt verbringen wir unsere Mittagspause und unser Radsportler stärkt sich bei einem Teller Spaghetti, bevor wir endgültig die tschechische Grenze überqueren und uns auf den Weg Richtung Eger machen. Nun soll es vor allem bergab gehen – die ersten 10 km vergehen wie im Flug. Allerdings hat keiner von uns mit den in Tschechien üblichen Straßenverhältnissen gerechnet, die Andys Rad ganz schön auf die Probe stellen. Mit bis zu 63 kmh fährt uns Andy den Berg hinab nur so davon und wir haben Mühe, zum richtigen Zeitpunkt die passende Streckenbeschreibung parat zu haben. Aber obwohl es nun permanent den Berg hinunter geht, bremst der Gegenwind Andy immer wieder aus.

Kurz vor der deutschen Grenzen lässt auch der unendlich scheinende Enthusiasmus ein wenig nach. Die Beine schmerzen und das Ziel scheint unerreichbar. Kaum haben wir die deutsche Grenze passiert, erklimmt Andy die letzten Berge allerdings, als wären wir vor wenigen Minuten in Gornau abgefahren. Das Ziel vor Augen, ein kleiner Campingplatz bei Mitterteich, fühlen wir uns alle ein wenig beflügelt und sehnen uns nach einem wohlverdienten Bier, welches nicht mehr lange auf sich warten lassen muss.

Wir sind müde, kraftlos und hungrig – aber glücklich. Wir können die nächsten Tage kaum erwarten!

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4. Etappe

Mitterteich – Bad Gögging

Entfernung: 185 km

Zeit: 06:30 Std

“Naja morgen soll es ja anfangen zu regnen…” – dieser Satz geht mir durch Kopf, als ich es gegen die Zeltwand trommeln höre. Schlechter könnte es für den heutigen Tag eigentlich nicht kommen, schließlich sind 137 km bis nach Regensburg geplant. Und obwohl die heutige Etappe deutlich kürzer werden sollte, wäre Regen alles in allem unnötig und wenn wir ehrlich sind – nervig. Als ich aus dem Zelt klettere, begegnet mir mal wieder ein viel zu gut gelaunter Andy. “Hast du eigentlich immer gute Laune?!” – “Wieso, ist doch schön, es regnet – ist doch schön!” und es scheint tatsächlich so, als meine er es ernst.

Etwas verspätet verlassen wir unseren Camping-Platz bei Mitterteich um 10:40. Allerdings macht uns diese Verspätung gar nichts aus, immerhin haben wir uns heute auch etwas weniger vorgenommen als gestern. Wie im Flug vergehen die ersten Kilometer bis wir eine Mittagspause in Pfreimd einlegen. Bei einem leckeren Stück Belohnungstorte scheint Andy das Pensum für heute noch nicht ganz auszureichen – zwar ist nichts von dem vorhergesagtem Regen zu sehen; ohne Sonnencreme könnten wir unseren Radfahrer gar nicht auf die Straße lassen!, – aber nach ca. 70 km ist noch kein Zeichen von Erschöpfung zu sehen. “Eigentlich könnten wir auch noch ein Stück weiter fahren, als bis nach Regensburg…”. Schnell ist ein Zeltplatz ca. 40 km hinter Regensburg gefunden, welcher unser heutiges Ziel werden wird.

Gerechnet haben wir jedoch nicht mit dem Stadtverkehr der Innenstadt Regensburgs, der selbst unsere Nerven im Auto ganz schön auf die Probe stellt, gerechnet. Den Höhepunkt erlebt Andy allerdings kurz nach Regensburg – 20 km vor dem Ziel erwartet ihn noch eine weitere Überraschung. Immerhin gehört es sich für unseren Star auch bis zum Ziel eskortiert zu werden. Scheinbar ist an uns vorbeigegangen, dass es sich von der von uns ausgewählten Strecke um eine Schnellstraße handelt, die man mit dem Rennrad eigentlich nicht befahren sollte. Dies fand auch die Polizei ziemlich unpassend und begleitete Andy sicher bis zur nächsten Abfahrt.

Als Andy nach letztendlich 185 km in 06:30 Std. den Zeltplatz erreicht, hoert man ihn fluchen, aber er lächelt. Und wieder fragen wir uns, ob ihm das Lächeln jemals vergehen kann. Später am Abend hören wir ihn sagen, wie wunderschön die Landschaft der Etappe anzusehen war. Das hören seine Begleiter gern. Und die schlimmste Challenge des Tages werden sicher die ortsansässigen Mücken in Bad Gögging sein, die wir am Abend zwischen Zelt und Auto vertreiben, während wir uns auf den morgigen Tag freuen. Wir können sagen – es ist anstrengend, aber genug haben wir noch lange nicht.

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5.Etappe Bad Gögging – Bad Tölz

Entfernung: 138 Km

Zeit: 4:12 Std

Was für ein Tag. Viel bleibt uns heute nicht zu sagen, außer – wir sind stolz auf Andy, dass er diesen Tag gemeistert hat. Als wir unseren Campingplatz bei Bad Gögging verlassen, blicken wir einer Etappe von 138 km entgegen. Und als hätte der Regen der letzten Nacht nicht gereicht, wird er uns auch heute den Tag über begleiten. Aber Andy lässt sich davon nicht die Laune verderben. Die erste Pause legen wir in Freising ein und überlegen uns, wie wir den zweiten Teil der Etappe gestalten, immerhin lässt sich der Regen nach nunmehr zwei Stunden nicht mehr ignorieren. Aber Andy schnappt sich fest entschlossen seine Regenjacke – je schneller wir Bad Tölz erreichen, desto besser. Das nächsten Treffen ist in München geplant und während Andy über die Landstraße flitzen sollte, wollten wir als Begleiter über die Autobahn schon vorfahren. Was uns allerdings in den nächsten beiden Stunden erwarten wird, würde man eigentlich mit ‘aus Eimern gießen’ beschreiben wollen. Damit haben wir nicht gerechnet, oder besser gesagt gehofft, dass es unseren Enthusiasten weniger schlimm treffen würde. Als wir ihn in der Innenstadt Münchens treffen, ist er pitschnass bis auf die Haut und hat sein Lächeln verloren. Aber die letzten 40 km entschädigen glücklicherweise für diese Misere – bei schönstem Alpenpanorama kann Andy wenigstens die letzten Eindrücke dieser Etappe genießen. Die Etappe endet schließlich in Bad Tölz. Verständlich, dass wir alle, vor allem er, mit dem Tag wenig zufrieden sind. Kein Problem – die morgige Etappe wird noch einmal wunderschön werden. Vor allem weil wir wissen, dass es wettertechnisch nicht schlimmer kommen kann.

Den Abend genießen wir gemeinsam mit Chris und seiner Familie, die uns mit offenen Armen unglaublich gastfreundlich empfangen haben. So könnte jede Etappe enden!

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6. Etappe

Bad Tölz – Garmisch Partenkirchen

Entfehrnung: 62km

Zeit: 2:10 Std

 

Heute erwartete uns die Zieletappe – herbeigesehnt seit letztem Donnerstag und definitiv der Lohn für die Anstrengungen der letzten Tage!

Als wir unsere Unterkunft gestärkt verlassen, lässt sich für wenige Minuten die Sonne blicken – das gibt Kraft für die

letzten 62 km, welche kein Problem für Andy darstellen sollten. Auf den ersten Kilometern genießen wir allesamt, ob auf dem Rennrad oder im Auto, die Aussicht auf die selbst bei Wolken wunderschönen Alpen, während Johannes auf Zwischenstopps bis zu den Knien in Schlamm versinken durfte – dies sind die Aufnahmen allerdings wert.

Unser Weg führt uns zunächst in Richtung des Walchauer Sees. Gerade fachsimpeln wir im Auto noch über die Mautgebühren, während uns urplötzlich der Mund nur so offen stehen bleibt und wir vor diesem unbeschreiblichen Ausblick inne halten, um die Aussicht voll und ganz genießen zu können. Auch hier nuzten wir die Zeit, um einige Aufnahmen zu machen. Und spätestens jetzt wissen wir alle auch wieder, wieso wir diese Reise angetreten sind: um gemeinsam Dinge zu erleben, die in keinem Reiseführer erklärt sind: um Orte zu besuchen, die man nur von Postkarten kennt.

“Krass, ich habs geschafft. Von Berlin nach Garmisch-Partenkirchen – und das nach 2,5 Monaten Trainingspause aufgrund meines Unfalls…!” hören wir Andy sagen, als er das letzte mal von seinem Drahtesel steigt. ( 790 km, 27:30 h Fahrzeit) – darauf können wir alle, aber vor allem unser perönlicher Spitzensportler, sehr stolz sein!

Den Rest des Tages genießen wir genau so, wie es sich gehört, wenn man Urlaub macht: wir entspannen auf unserem Camping-Platz, bummeln durch die Innenstadt Garmisch-Partenkirchens und gönnen uns ein üppiges Abendessen – so gehört sich das.

Die Königsdisziplin erwartet unseren Andy allerdings erst am morgigen Tag: er wird die Alpspitze besteigen, worauf wir alle seit Tagen hinfiebern, nun die Daumen drücken, dass seine übrigen Kräfte dafür ausreichen und seine Beine ihn bis ganz nach oben tragen. Aber wir als seine Begleiter sind mit jedem Tag zuversichtlicher geworden, dass unser Andy auch noch diese Hürde nehmen wird. Und das sogar mit einem Lächeln auf den Lippen.

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Die letzte Etappe!

Strecke: Garmisch-Partenkirchen – Osterfeldkopf (und wieder zurück )

Entfernung: 19,4 km

Höhenmeter: 2500 m

Zeit: 1:17 Std nach oben, 0:45 Std nach unten

Regen. Nichts als Regen. Dieser Regen sollte uns am letzten Tag unserer Reise noch ganz schön die Laune verderben. Aber der Reihe nach.

Am Vorabend drücken wir gemeinsam die Daumen, dass sich das Wetter bis zum nächsten Morgen halten wird – oder es sich über Nacht zumindest ausregnet. Aber als sich Andy kurz vor 6 aus dem Auto schält, begrüßt ihn der Regen schon, die beiden hatten ja bereits auf der vorletzten Etappe ausgiebig Bekanntschaft miteinander gemacht. Zunächst hatte er sich vorgenommen, bis zum Osterfeldkopf zu laufen, wo seine Begleiter ihn ausgerüstet mit Klettersteigsets treffen sollten. Natürlich war Andy schon nach 1:20 Std oben angekommen, statt wie erwartet nach 4 Std, also musste etwas Zeit vergehen, bis wir ihn mit der Alpspitzbahn eingeholt hatten.

Im Gespräch mit einem Bergführer am Verleih erfahren wir jedoch, dass bei den aktuellen Wetterverhältnissen das Besteigen der Alpspitze absolut nicht zu empfehlen ist – vor allem weil sich das Wetter im Laufe des Tages noch verschlechtern soll. Als wir Andy nun oben am Osterfeldkopf treffen, ist die Stimmung erstmal im Keller. Das Ziel, welches Andy seit Tagen permanent vor Augen hatte und ihn motivierte, bleibt ihm nun verwehrt.

Gemeinsam begleiteten wir ihn nun bis zum Kreuzeck, genießen die Aussicht ins vernebelte Tal und schießen ein paar atemberaubende Fotos, während Andys Verletzung ihm nun doch langsam zu schaffen macht. Allerdings merkt man ihm an, dass ihm dies diese Reise wert war – er musste und konnte sich schlussendlich beweisen, dass ihn auch eine Trainingspause von mehreren Wochen nicht so einfach aus der Bahn werfen kann.

Kurz vor dem Kreuzeck trennen sich unsere Wege; Andy wird den Weg ins Tal laufend zurücklegen, während wir die Kreuzeckbahn nehmen. Als wir das Tal erreichen, etwas mehr als 30 Minuten, nachdem wir uns verabschiedet hatten, kommt den Weg bereits eine leuchtende Regenjacke hinunter gelaufen. Wir sind wenig überrascht – dieser Mann übertrifft sich selbst jeden Tag aufs Neue.

Nun sind wir auf dem Weg in die Heimat und genießen die Erinnerungen an einen unvergesslichen Trip. Und noch immer sind uns die Radfahrer- und Regen-Witze noch nicht ausgegangen.

Grüße von der A72,

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weitere Bilder und ein Abschlussbericht folgt …